Als reine Vorsichtsmaßnahme erscheint es derzeit sinnvoll, den Kontakt mit den bei den Hauptrisikogruppen soweit möglich zu reduzieren. Hierzu gehören Wasservögel (Enten, Gänse, Schwäne) und Vögel, die sich von kranken oder toten Wasservögeln ernähren (beispielsweise Möwen und einige Greifvogelarten). Das bedeutet, dass man vorerst solche Vögel weder lebend noch tot in die Hände nehmen sollte, wenn man keine entsprechende Schutzkleidung trägt. Eine Annäherung stellt - soweit die Vögel das überhaupt zulassen - überhaupt keine Gefahr. dar.
Von Kleinvögeln, Tauben und Störchen geht derzeit keine Gefahr aus. Zwar können alle Vogelarten an Vogelgrippe erkranken, wie im Laborversuch bei vielen Arten durch künstliche Infektion mit dem Vogelgrippe-Erreger H5N1 gezeigt wurde, jedoch besteht nur für wenige Arten das Risiko, dass sie im Freiland überhaupt mit dem Virus in Kontakt kommen. Auch in den schweren Ausbruchsgebieten in Südostasien erkranken längst nicht alle Wildvögel im Umkreis der befallenen Vogelbestände. Schwer betroffen sind bisher immer nur Schwäne, Enten oder Gänse.
Trotz umfangreicher Untersuchungen wurde das H5N1-Vogelgrippevirus bisher nie in einem Storch, einer Schwalbe oder einer Meise gefunden. Auch unter den übrigen Singvogelarten traten bis auf ganz wenige Ausnahmen bisher nie kranke Vögel auf. Unter den Ausnahmen befinden sich vor allem Sperlinge und Stare, die im Umkreis von Geflügelhaltungen mit massiven Vogelgrippeausbrüchen gefunden wurden und die sich offensichtlich dort erst an Hausgeflügel infiziert haben.
Von Tauben ist bekannt, dass sie zwar auch am Vogelgrippevirus erkranken können und dann vor allem über den Kot für eine bestimmte Zeit Viren ausscheiden können, jedoch zeigte sich in Laborversuchen, dass diese Mengen ausgeschiedener Vogelgrippeerreger nicht einmal ausgereicht haben um empfindliche Hühner zu infizieren - geschweige denn dass diese Dosis irgend eine Bedrohung für den Menschen darstellen würde. Gleiches dürfte nach bisherigen Berichten infizierter Wildvögel unter anderem auch für die anderen Singvogelarten und den Storch gelten. Generell scheiden befallene Wildvögel viel weniger Viren aus als befallenes Hausgeflügel, so daß ihr Kot eine viel geringere Infektionsgefahr birgt. Dennoch wäre es falsch, Vogelkot oder auch Vogelfedern im Moment als generell ungefährlich zu bezeichnen, denn selbst wenn von beiden keine ernstzunehmende Infektionsgefahr für den Menschen ausgeht, so besteht doch eine Infektionsgefahr für andere Vögel und damit die Gefahr einer Ausbreitung der Seuche.
Trotz der Vogelgrippemeldungen spricht also überhaupt nichts dagegen, einen kühlen Kopf zu behalten und sich weiterhin uneingeschränkt über die Vögel in unseren Gärten und Parks zu freuen.
Quellen u.a.: Robert-Koch-Institut, Friedrich-Löffler-Institut, Max-Planck-Institut für Ornithologie, Europäische Union.
ViSdP Dr. Wolfgang Fiedler, Radolfzell
Weitere Informationen und Links zum Thema: http://www.orn.mpg.de